Bei Toranlagen sind Wartung und sicherheitstechnische Prüfung zwei verschiedene Aufgaben. Welche Vorgaben gelten, hängt von Nutzung, Bauart, Einbausituation und den Herstellerunterlagen ab. Dieser Ratgeber ordnet die wichtigsten Regeln für Deutschland ein und vermeidet pauschale Prüffristen, die nicht für jede Anlage passen.
Welche Regeln gelten für betrieblich genutzte Tore?
Bei betrieblich genutzten Toren muss der Arbeitgeber die Gefährdungen beurteilen und Art, Umfang sowie Fristen erforderlicher Prüfungen festlegen. Dabei sind unter anderem Herstellerangaben, tatsächliche Nutzung, Umgebungsbedingungen und mögliche schädigende Einflüsse zu berücksichtigen.
Für kraftbetätigte Türen und Tore in Arbeitsstätten konkretisiert die ASR A1.7 „Türen und Tore“ die Anforderungen der Arbeitsstättenverordnung. Sie sieht Prüfungen nach Herstellerangaben vor der ersten Inbetriebnahme, nach wesentlichen Änderungen und wiederkehrend vor. Die wiederkehrende Prüfung sollte grundsätzlich mindestens einmal jährlich erfolgen. Bei intensiver Nutzung oder besonderen Einflüssen können kürzere Intervalle erforderlich sein.
Die DGUV Vorschrift 3 betrifft die elektrische Sicherheit von Anlagen und Betriebsmitteln. Sie ersetzt nicht die mechanische und sicherheitstechnische Prüfung des gesamten Torsystems.
Wer darf eine Toranlage prüfen?
Die sicherheitstechnische Prüfung kraftbetätigter Türen und Tore darf nur durch eine hierfür sachkundige Person erfolgen. Soweit eine Prüfung nach der Betriebssicherheitsverordnung erforderlich ist, muss die beauftragte Person zusätzlich die Anforderungen an eine zur Prüfung befähigte Person erfüllen. Entscheidend sind Ausbildung, Erfahrung, aktuelle Tätigkeit und die für die konkrete Prüfaufgabe erforderlichen Kenntnisse.
Wartung und Prüfung sind nicht dasselbe
- Wartung: erhält die Funktion und richtet sich grundsätzlich nach den Vorgaben des Herstellers.
- Prüfung: beurteilt den sicheren Zustand der Anlage und dokumentiert das Ergebnis.
- Instandsetzung: beseitigt festgestellte Mängel. Eine Prüfung allein repariert keine Bauteile.
Eine Wartung ersetzt daher keine vorgeschriebene Prüfung – und eine Prüfung ersetzt keine fällige Wartung.
Was wird bei einer Prüfung kontrolliert?
Der konkrete Prüfumfang richtet sich nach Torart, Antrieb, Nutzung und Gefährdungsbeurteilung. Je nach Anlage gehören dazu unter anderem:
- Dokumentation, Kennzeichnung und Herstellerunterlagen,
- Befestigungen, Führungen, Rollen, Scharniere, Federn und Seile,
- Antrieb, Steuerung, Notentriegelung und Bewegungsablauf,
- Lichtschranken, Kontaktleisten, Absturz- und weitere Schutzeinrichtungen,
- gegebenenfalls die Messung auftretender Kräfte mit geeigneter Messtechnik.
Dichtungen und Wärmeschutz können Teil einer Wartung oder Zustandsbewertung sein, sind aber nicht automatisch Bestandteil jeder vorgeschriebenen Sicherheitsprüfung.
Welche Dokumentation ist erforderlich?
Die Ergebnisse vorgeschriebener Prüfungen sind nachvollziehbar zu dokumentieren. Nach § 14 BetrSichV müssen die Aufzeichnungen mindestens Art, Umfang und Ergebnis der Prüfung sowie Name und Unterschrift der prüfenden Person enthalten. Eine Prüfplakette kann den nächsten Termin sichtbar machen, ersetzt das Prüfprotokoll jedoch nicht.
Was gilt bei privat genutzten Garagentoren?
Bei ausschließlich privater Nutzung begründen die genannten Arbeitsschutzvorschriften keine allgemeine jährliche Prüfpflicht. Maßgeblich bleiben jedoch die Betriebs- und Wartungsanleitung des Herstellers sowie mögliche weitere Anforderungen aus Bauart, Einbausituation oder Vertrag.
Läuft ein Tor ungewöhnlich schwer, schief oder ruckartig, sind Federn oder Seile beschädigt oder arbeiten Sicherheitseinrichtungen nicht zuverlässig, sollte die Anlage bis zur fachlichen Prüfung nicht weiter betrieben werden.
Mögliche Folgen versäumter betrieblicher Prüfungen
Verstöße gegen betriebliche Prüfpflichten können – abhängig vom konkreten Sachverhalt – behördliche Maßnahmen oder Bußgelder nach sich ziehen. Ob ein Schaden versichert ist, hängt dagegen vom jeweiligen Vertrag, einer möglichen Pflichtverletzung und der Ursächlichkeit ab. Eine pauschale Aussage zum Versicherungsschutz ist deshalb nicht seriös.
Fazit
Prüffristen sollten nicht aus einer allgemeinen Checkliste übernommen werden. Entscheidend sind die konkrete Toranlage, die Gefährdungsbeurteilung und die Herstellerangaben. Eine fachgerechte Prüfung und nachvollziehbare Dokumentation unterstützen den sicheren Betrieb, sind aber keine pauschale Garantie für Rechtssicherheit oder Versicherungsschutz.






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